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Eine wahre Geschichte aus meiner Kindheit.




 

Der Schiefhalsige Josef

 

Josef, ist nicht wie man meinen könnte, eine Figur aus der Weihnachts-Krippe. Nein,

unser Josef ist, oder besser gesagt, war eine Ente. Oder war es eine Gans? Ne, war doch eine Ente, denn sie konnte ja schwimmen. Jetzt erinnere ich mich wieder ganz genau wie Josef zu uns kam.

Es war nach dem Krieg und da hatten viele Leute, nichts zu beißen. Und wir schon gar nicht. Wir waren ziemlich arme Schlucker und wohnten in einer kleinen Stadt im tiefsten Bayern.

Und unsere Mutter hatte es nicht leicht mit uns vier Kindern ohne

Mann und Ernährer Sie hatte sich von unserem Vater getrennt Sie war eine geschiedene Frau, und das ausgerechnet im frommen Bayern. Es damals schwer für unsre Mutter uns Kinder durch zubringen.

Und wir Kinder, meine kleine Schwester und meine zwei größeren Brüder und ich, wir gingen oft mit hungrigen Mägen ins Bett.

Wir hatten ein kleines Zimmer unter dem Dach, in dem es im Sommer so heiß war wie in der Wüste oder wie in einem Backofen. Und im Winter war es so kalt wie in einem Kühlschrank. Wir gingen oft mit unseren Pudel Mützen und Strümpfen ins Bett. Und das Dachfenster war klein und im Winter voller Eisblumen.

Abends, wenn es im Winter so kalt war, legte unsere Mutter uns immer heiße Steine ins Bett um es aufzuwärmen. In dem Zimmer schliefen wir alle zusammen in drei Betten.

Meine beiden Brüder in einem Bett meine Schwester und ich in dem anderen. Und meine Mutter hatte ein Bett für sich alleine. Aber oft auch nicht, denn entweder ich oder meine kleine Schwester Hilde, die Wilde genannt, schlüpften in Mutters Bett.

Es war ein Tisch und fünf Stühle und ein kleiner Küchenschrank in diesem kleinen Zimmer

und ein kleiner Ofen, der aber irgendwie nie nicht richtig zog und nie so richtig warm machte. Es lag vielleicht daran, dass das Holz nicht ganz trocken war. Diesen Ofen musste einer meiner Brüder immer morgens anheizen. Und das war nicht so ganz einfach. Am Morgen des Weihnachtstages, versuchte mein Bruder Otto den Ofen anzufeuern. Aber es gelang ihm nicht. Er pustete immer in den Ofen und zog dabei immer den Rauch ein um erneut zu pusten,

Plötzlich lag er am Boden er war ganz weiß im Gesicht und verdrehte die Augen.

Ich schrie wie am Spieß, denn ich dachte mein Bruder wäre tot.

Meine Mutter kam die Treppe hoch und schrie: “Was brüllst du so?“

Da sah sie ihren Sohn am Boden liegen.

Sie haute ihm links und rechts welche an die Backen und er kam wieder zu sich.

Ich tröstete meinen großen Bruder, dann versuchten wir beide das Feuer anzupusten.

Es war ziemlich eng in diesem Zimmer, aber es war für uns das Paradies, denn wir waren froh, dass wir wieder alle zusammen waren. Denn wir waren mehrere Jahre von einander getrennt in verschiedenen Heimen.

Manchmal hatten wir auch untereinander Streit und wir kloppten uns wie die Kesselflicker.

Aber wenn irgendjemand sagte, dass wir mal wieder etwas ausgefressen hätten, obwohl wir das oft gar nicht waren, was uns angehängt wurde, dann hielten wir zusammen wie Pech und Schwefel. Egal was und wer etwas verbrochen hatte, es hieß immer: Das waren die Balgen vom Platsckiberg. Und das waren wir!

Manchmal haben wir auch wirklich Blödsinn gemacht, so wie ich im Sommer bei unserm Pfarrer.

Der hatte am Sonntag auf der Kanzel gepredigt. “Liebe deinen Nächsten, so wie dich selbst.

Und teile deine Gaben und Früchte! Und das habe ich wörtlich genommen, weil er uns seine Äpfel aus seinem Garten nicht freiwillig geben wollte. Ich bin in seinen Garten gegangen und habe mir die Früchte und das Gemüse geholt, das in seinem Garten war.

Aber das gefiel dem Pfarrer gar nicht, er erwischte mich dabei und hetzte seinen großen Hund nach mir. Ich flüchtete auf seinen Nussbaum.

Nun saß ich zwei Stunden auf dem Nussbaum, und der knurrende Hund ließ mich nicht runter. Wenn wenigstens die Nüsse schon reif gewesen wären, dann hätte ich sie pflücken und essen können. Denn ich liebe Walnüsse.

Nach zwei Stunden kam meine Mutter und meine Geschwister sie hatten mich schon überall gesucht.

Ich hörte schon von weiten ihren Pfiff. Ich konnte mit der Zunge ohne Finger genau so pfeifen wie meine Mutter, und ich pfiff zurück.

Als sie in den Garten wollte, stand der Hund vor ihr und knurrte.

Da kam der Pfarrer raus und sagte: „Ich habe deine Tochter beim Stehlen erwischt. Das ist eine Sünde! Deine Kinder sind genau so wie du verdorben!“

Ich rief vom Baum herunter: „Lügen ist auch eine Sünde!“

Und meine Mutter schrie: „Und eine Sünde ist es auch, einen Hund auf ein Kind zu hetzen, das nur ein paar Äpfel aufheben wollte, die schon vom Baum gefallen waren. Und es ist auch eine Sünde, dass die Äpfel und das Gemüse in Ihrem Garten manchmal vergammelt. Und Sie es nicht so wie es in der Bibel steht. an die Armen verteilen, Obwohl Sie genau wissen, dass wir manchmal Hunger leiden und das Obst und Gemüse gut gebrauchen könnten, geben sie es uns nicht.“

Der Pfarrer ging, ohne uns zu antworten, mit seinem Hund ins Haus.

Die Geschichte, ging gleich durch den Ort. Die vom Platsckiberg haben beim Pfarrer geklaut.

Auch deshalb waren wir bei vielen Leuten nicht sehr beliebt.

Aber es gab auch Menschen die uns mochten. So wie diese Frau, die uns in ihr Haus aufgenommen hat.

Betty hatte auch zwei Kinder ein eheliches von ihrem Ehemann der im Krieg gefallen war

und ein uneheliches. Das bekam sie nach dem Krieg; man munkelte von einem Franzosen oder einem Ami. Aber sie vertraute meiner Mutter an, dass es von einem reichen verheiraten Deutschen aus der Stadt sei, der aber nichts von dem Kind wissen wolle und auch nicht für das Kind auf käme.

Sie wurde von den christlichen Leuten wegen des unehelichen Kindes nicht gut behandelt. Sie bekam Witwenrente und für den einen Jungen Waisenrente, das war nicht viel, aber sie hatte ein Eigenes Haus. Und in das Haus nahm sie uns auf. Danach waren die Leute noch unfreundlicher zu ihr, weil sie uns aufgenommen hatte. Aber Betty war stark und mutig, und verteidigte uns und auch ihre Kinder, wenn es mal wieder hieß, die Brut vom Platsckiberg habe schon wieder was ausgefressen

Da gab auch noch einen Bäcker in der Stadt, der mochte uns, vor allem mich sehr gerne.

Weil ich so schön singen konnte. Meine Mutter schickte immer mich zum Brot zu holen, weil ich das Brot immer umsonst bekam. Dafür musste ich singen. Ich ging in die Backstube und sang den Bäckern während sie arbeiteten die neuesten Lieder aus dem Radio vor.

Auch ein Bauer auf dem Markt mochte uns, aber ich glaube am liebsten mochte vor allem unsere Mutter. Ich glaube, er hatte nicht nur Mitleid mit ihr, als er ihr das Küken im Frühjahr schenkte.

Er sagte zu ihr. „Das schenke ich dir, wenn du es gut fütterst habt ihr zu Weinachten einen schönen Braten.“

Als unsere Mutter mit dem Küken vom Markt kam, waren wir alle vor Freude wie aus dem Häuschen. Sechs Kinder hüpften um sie und das Küken herum.

„Von wem hast du das und dürfen wir es behalten?“, wollten wir wissen.

„Erst mal Ruhe!“, rief meine Mutter, „natürlich dürft ihr das Küken behalten. Der Bauer Josef hat gesagt, wenn ihr es gut pflegt und füttert, dann haben wir Weihnachten einen schönen Braten.“

Weil der Bauer Josef, der uns das Küken geschenkt hatte, ein netter Mann war, bekam unser Küken seinen Namen.

Josef wurde der Liebling unseres Hauses. Josef wurde gehegt und gepflegt. Alles was wir an Futter auftreiben konnten, bekam unser Josef.

Ich ging nun öfter als sonst zum Bäcker in die Backstube, um zu singen. Montags und Dienstag ging ich wegen frischen Brotes für uns hin, und Mittwoch und Donnerstag wegen des alten Brotes für Josef.

 

Speisereste schnorrten wir bei allen Nachbarn. Einige gaben uns endlich was, weil wir nicht aufgaben sie zu fragen. Es war ja für Josef.

Josef nahm immer mehr zu.

Über das Geschlecht waren wir uns nicht ganz einig bis zu dem Tag als Josef uns ein Ei ins Nest legte.

Wir versuchten sie mit dem Namen Josephine zu rufen aber sie reagierte nicht darauf. So behielt sie den Namen Josef.

Wir bauten im Sommer sogar einen Teich für sie. Wir sahen auf einen Bauernhof eine alte, große Zinnwanne, und fragten ob wir die haben dürfen, der Bauer hatte nichts dagegen. Und wir holten sie mit einem Leiterwagen ab.

Wir wunderten uns schon, dass der Bauer uns die Wanne so freigebig geschenkt hat, wir ließen sie in die Erde, und pflanzten Blumen um die Wanne herum: Josef sollte es ja schön haben, und in dem Teich schwimmen. Wir musste aber jeden Tag das Wasser vom Brunnen holen um den Teich zu füllen. Denn die Wanne hatte ein Loch

Aber das taten wir gerne für unsere Josef, denn sie war sehr anhänglich und lieb.

Sie begrüßte uns mit freudigem Geschnatter, wenn wir aus der Schule kamen,

Josef gehörte zu uns.

Wir vergasen den Zweck weshalb wir Josef bekommen hatten bis zu dem Tag vor Weihnachten. Unsere Mutter versuchte verzweifelt, einen Weihnachtsbraten für uns auszutreiben, aber es gelang ihr nicht. Wir hatten nicht genug Geld.

Tante Betty sagte zu meiner Mutter: „Dann müssen wir eben Josef schlachten!“

Dafür hast du sie ja auch von dem Bauern Josef bekommen.

Unser Josef soll in die Pfanne? Nein!!

Wir fingen an zu weinen. Wer soll denn Josef schlachten? Tante Betty sagte ganz mutig: „Ich gehe jetzt in den Stall und mache es!“

Tante Betty ging zu Josef in den Stall. Wir hörten sein freudiges Geschnatter.

Unser Geheul wurde noch lauter. Josef soll nicht geschlachtet werden!

Wir wollen unseren Josef nicht essen!

Es wurde still im Stall. Nach einer Weile kam Tante Betty ins Haus. Sie war erschöpft und ganz blass und sie stammelte: „Ich bringe es nicht fertig!“

Josef lebte noch!

Wir fragten: „Was hast du mit Josef gemacht?“

„Ich habe mit einem Ruck aber nicht fest genug an ihrem Hals gezogen weil sie sich so an mich ran kuschelte da konnte ich nicht weitermachen.

Mein ältester Bruder, sagte: „Gut, dann mache ich es!“

Er ging zu Josef. Wir fingen wieder an zu weinen, und schrien: „Er soll Josef nicht töten!“

Nach einer Weile kam mein Bruder wieder in die Stube und wir stürmten auf ihn zu, und schrien: “Du bist gemein, Du hast unsern Josef umgebracht!“

Er sagte ganz leise: „Hab ich nicht!“

„Was hast du mit ihm gemacht?“ Ich habe an ihrem Hals gezogen. Aber sie schaute mich mit großen Augen an, und dann konnte ich sie nicht ...“

Er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, denn jetzt sagte meine Mutter: „Jetzt ist Schluss mit dem Theater!“ Sie rannte in den Stall. Nun ging das Geheul von uns Kindern erneut los.

Wir hörten wieder das freundliche Geschnatter von Josef. Nach einer Weile war es still und wir hielten es nicht mehr aus.

 

Wir rannten alle in den Stall. Da saß unsere Mutter mit Josef im Arm auf dem Boden und tröstete ihn. Auch sie brachte es nicht fertig, Josef das Genick zu brechen. Sie hatte auch noch etwas an ihrem Hals gezogen. Durch das viele ziehen an ihrem Hals hatten sie ihr bestimmt ein paar Wirbel ausgerenkt

Nun stand unser Josef mit einem schiefen Hals aber wenigstens lebend im Stall.

Es gab am ersten Weihnachtstag keinen Braten sondern nur Semmelknödel mit Schmalz und Blau Kraut und zum Nachtisch Bratapfel mit Vanille-Soße.

Und das war lecker.

Josef durfte sogar am Heilig Abend zur Bescherung bei uns in der Küche bleiben

Und weil er so aufgeregt war hat er ein paar Mal auf den Boden geschissen

Josef lebte noch sehr gut und lange bei uns. Und wir freuten uns alle, wenn er mit seinem schiefen Hals uns freudig

schnatternd entgegenkam.

Dann hatten wir auch sogar manchmal mitten im Sommer so ein Gefühl wie an Weihnachten.

 

 

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Renate Laufs